Unternehmenskultur

Loslassen – Wie ich Verantwortung an Mitarbeiter delegiere

29. April 2020 · Sascha Böhr

In meinen beiden Unternehmen arbeiten zusammen mittlerweile über 85 Mitarbeiter. Es ist unmöglich, als einzelne Person alles zu überblicken. Es ist aber auch nicht leicht gewesen, loszulassen. Wie ich diese Herausforderung angegangen bin, lest Ihr in meinem Erfahrungsbericht.

In der Digitalagentur 247GRAD war es nach ein paar Jahren soweit, dass Abteilungen entsprechend der Geschäftsfelder eingeführt wurden. Für jede Abteilung wurde ein Teamleiter ernannt. Es gibt wöchentliche Teamleitermeetings, in denen sich alle miteinander absprechen, die Kommunikation dazwischen findet in einer internen Teamleitergruppe in Microsoft Teams statt. Soweit, so nachvollziehbar.

Auf einmal waren es zwei Firmen (Aus eins mach zwei)

Dann wurde aus einem in der Agentur entwickelten Prototyp eine eigene GmbH mit eigenem Team, heute durch das Produkt dirico.io bekannt. Alles ging ziemlich schnell und schon gab es zwei getrennte Firmen – partnerschaftlich verbunden und dennoch eigenständig. Die neue Gesellschaft ist keine Agentur, sondern eine Softwarecompany. So konnte ich einerseits natürlich auf gewisse Erfahrung mit den Wachstumsphasen zurückgreifen, jedoch ist das Geschäftsmodell komplett anders: Ein zentrales Produkt statt mehrerer Projekte, die parallel laufen.

Die neue Firma benötigte meine volle Aufmerksamkeit. Hier musste das Team aufgebaut, Arbeitsprozesse entwickelt und Investoren gefunden werden. All das führte dazu, dass kaum noch Zeit für die Agentur vorhanden war. Glücklicherweise konnte ich mich auf die Teamleiter verlassen, diese übernahmen weitgehend die Geschicke. Bei strategischen Entscheidungen war ich immer noch eingebunden und habe die Freigaben erteilt. Es war sehr wichtig, dass regelmäßig berichtet wurde und ich so den Überblick behielt.

Die neue Ebene COO

Irgendwann merkte ich jedoch, dass es eine Stellvertretung braucht, da die Zeit bis ich entscheiden konnte zu lange wurde. Die To-Do-Liste war so voll, dass einfach auch Sachen hinten runterfielen. Es ist enorm wichtig, diesen Zeitpunkt zu erkennen. Einer der Teamleiter (Thomas Berg) wurde fortan zum Chief Operative Officer (COO). Diese Funktion ermöglicht es ihm, so gut wie alles zu entscheiden und als Moderator der Teamleiterrunde zu fungieren. Um ihn einzuarbeiten, haben wir einige Termine unter vier Augen angesetzt. So erhielt er einen Überblick über die neuen Aufgaben, aber auch Leadership war ein wichtiges Thema. Dadurch konnte ich mich nahezu vollständig aus dem operativen Geschäft der Agentur herausziehen. Es war nicht nur wichtig, sondern auch absolut sinnvoll. Ich wusste, dass ich mit Thomas die richtige Person an Bord habe und gab ihm mein Vertrauen. Natürlich stehe ich ihm auch weiterhin beratend zur Seite.

Währenddessen wuchs die Softwarecompany rasant und es kamen jeden Monat neue Leute dazu (diese Phase dauert bis heute an). Alles muss koordiniert werden. Hier hatten wir von Anfang an die technische Leitung in die Verantwortung eines Chief Technical Officer (CTO) gegeben. Mittlerweile ist das Unternehmen aber so groß, dass auch hier kürzlich die Position des COO geschaffen wurde. Diese wurde ebenfalls intern besetzt. Mir ist es wichtig, dass diese Schlüsselposition von jemandem besetzt ist, der das Unternehmen kennt und schon länger dabei ist. Durch diese Entscheidung kann ich mich wieder mehr um strategische Themen kümmern.

Ein Organisationstalent kommt dazu

Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass mein Kalender immer voller wurde und diverse Themen bei mir landeten, die mehr oder weniger hohe Priorität haben. Für mich entstand ein enormer Aufwand, diese Anfragen zu koordinieren und in einen sinnvollen Zeitplan zu überführen. Die Folge waren häufige Unterbrechungen und Arbeitstage, die nicht besonders effiziert waren. Hier kam Annalena ins Spiel: Als Assistant of the CEO übernimmt sie die komplette Koordination. Jeder bekommt eine zeitnahe Antwort und sie achtet darauf, dass nichts vergessen wird. Das bedeutet, dass sie im Grunde in alles eingebunden wird: Sie weiß genau, was ansteht. Das hat dazu geführt, dass der Tag im Büro deutlich aufgeräumter abläuft und ich mehr Zeit für fokussiertes Arbeiten habe. Außerdem hilft Annalena bei der Dokumentation, so finden sich Arbeitsergebnisse, Mails und Dokumente schneller wieder.

Mein Fazit

Als Gründer sollte man stets den Überblick über die wichtigsten Themen im Unternehmen haben. Denn nur dann kann das Unternehmen in die richtige Richtung gelenkt werden. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße ist es allerdings nicht mehr so einfach, den Überblick zu behalten. Gründer müssen lernen Verantwortung abzugeben und brauchen verlässliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den/die Gründer zu den wichtigsten Ereignissen „up to date“ halten.

Sascha Böhr
Über mich

Sascha Böhr

Gründer und CEO von 247GRAD und dirico.io. In diesem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen aus den Bereichen Unternehmertum, Geschäftsmodelle, Social Media Marketing, Digitale Trends und Vertrieb.

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